Samstag, 9. Mai 2020

Schreiben gegen das Vergessen



Liebe Leserin, lieber, Leser, im Blog gibt es eine neue literarische Anregung, diesmal eine sehr persönliche Betrachtung im Zusammenhang mit Isabel Allendes Lebensroman "Paula", geschrieben von Dr. Renate Kremer, Heidelberg.
Hier ist der link zu unserer Seite "Lesenswert!"

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Montag, 4. Mai 2020

Begegnungen in Zeiten mit Covid 19







Die Fülle an Begegnungen, mit der Natur, mit Menschen, wollte heute kein Ende nehmen. "Protect me from what I want"* - das hatte ich heute Morgen in Werner Balzers herausforderndem Buch "Das Sensorische und die Gewalt: Zum Seelenleben im digitalen Zeitalter" gelesen... Ja, und gleich Wikipedia gedrückt... Jenny Holzer... nie vorher gehört, nie etwas von ihr gesehen, gelesen... aber Wikipedia liefert, ohne dass ich aus dem Bett aufstehen muss, ohne Suchen, ohne..., ohne… Vor allem ohne Abwesenheit... Wer schafft es schon, gleich das passende Buch zu greifen und die passende Stelle zu finden? Ich verrate nicht, was ich gefunden habe.

Dorothee und ich fanden einen holprigen Weg entlang des Neckars in Richtung Ladenburg... Dorothee kann sich über Entdeckungen, die Natur freuen, das beschwingt. Es klingt, als ob sie singt... Stille entlang des Heidelberger Zoos... Dorothee erinnerte Besuche, wir dachten, ohne Freigang sind die Tiere leichter zu halten, besonders jetzt, in Zeiten mit Corona, wo noch keine Besucher kommen können, die Einnahmen schwinden... Aber Berlin prescht vor ... Aber nicht zu den kleinen Pandabären.
Wir hätten immer weiter radeln können, aber protect us, from what we want… Zwei nicht mehr junge Frauen radeln munter, aber sie müssen auch wieder zurück, und da hilft nicht nur das Glück... oder ein Druck mit dem Finger... Im Gespräch erkannten wir die gemeinsame aktuelle Tendenz, zu viel für das Essen einzukaufen. Meine Tochter in Schweden sagte mir später, dass ihr Mann 7 Liter Milch anschleppt, man weiß ja nie!! Wir lachten, das war schön.
Dorothee und ich wohnen nur durch eine Straße getrennt. Wir sehen unsere Fenster... besonders am Abend, wenn sie erleuchtet sind. Das gefällt mir.
Ich wollte noch den verlassenen, zu ihrem Wohnhaus gehörenden Garten sehen, mit dem Dorothee Erinnerungen an die Zeit mit den Kindern verbindet, als sie noch klein waren. Lange ohne Pflege dieser Garten, nachdem eine Nachbarin im Haus die Pflege aufgegeben hat, und der Hausbesitzer sich nicht dafür interessiert. Es war kaum ein Durchkommen, Rosen erinnerten an frühere Zeiten, auch manches andere... der kleine Teich…
Dann aber Begegnungen ...!! Da war ein kleines Wesen, es winkte, und ich winkte zurück, und es kam gelaufen... strahlte, die Mutter blieb am Kinderwagen stehen, und… sie wurde von meiner Freundin erkannt. C o s i m a, noch nicht 2 Jahre alt, ohne Lust auf Abstand...
Dann noch Frau K., die Leiterin des Literaturkreises. Schade, schade, wir können uns nicht mehr treffen... ihren Vorschlag, uns vielleicht schriftlich über unsere Lieblingslektüre auszutauschen, gilt es zu bedenken... Manches soll vielleicht leibhaftig bleiben...? Frau K. überlegt noch..."protect me from what I want"*... Gilt hier auch wieder für mich.
Ja, schließlich kam noch Michael aus der Kanzlei... mit Akten unter dem Arm... Er wunderte sich, wo Dorothee den Schlüssel zu dem verwunschenen Garten gefunden hatte, und vor allem wie!!! Das hatte Dorothee noch in Erinnerung behalten, kein Knopfdruck nötig, und die Türe springt auf... Ja, die Erinnerung an eine Geschichte mit einem Vogel und Legosteinen, die Dorothee am Neckar erzählte, hat leider hier keinen Platz mehr.

"Protect me from what I want !!!!!"*


*Zitat: Jenny Holzer, 70er Jahre     


Kein Knopfdruck nötig, und die Türe springt auf...




Dr.med. Renate Kremer,
HIP Dozentenkreis
Psychoanalytikerin
Gruppenanalyse
Heidelberg


Dienstag, 21. April 2020

"...hoffentlich können wir morgen noch reden..."


Zeichnung: Dank an Frederick, 3 Jahre





„Es will uns scheinen,
    als hätte noch niemals ein Ereignis
 so viel kostbares Gemeingut
der Menschheit zerstört,
 so viele der klarsten Intelligenzen verwirrt, 
so gründlich das Hohe erniedrigt.“
 S. Freud, „Zeitgemäßes über Krieg und Tod“ (1915)


Vor ein paar Jahren, als ich die Universität beendete, stellte ich in meiner Diplomarbeit paranoide Wahnvorstellungen als Werkzeuge dar, welche eine psychische Struktur zu stabilisieren versuchen. Eine Struktur, die sich oft aufgrund eines ungewöhnlichen und ausladenden Ereignisses abbaut, zerbricht, oder gar ganz verschwindet. Die Wahnvorstellungen wären in diesen Fällen also so etwas wie Klebstoff,

Samstag, 7. März 2020

Fragen fragen V


Ein Patient aus einer Einzeltherapie steht pünktlich zur 38. Sitzung unerwartet mit seiner Frau vor der Türe und fragt, ob sie heute mal mit ins Gespräch kommen könne. Was würden sie tun?


Zugegeben, bis vor meine Praxistüre brachte ein Patient eine Frau oder Ehefrau selten mit. Die Frage ist erlaubt, warum da eine Leerstelle in meinem sonst guten Gedächtnis ist? Dass Männer an einer Sitzung der Frau teilnehmen möchten, oder hin und wieder unerwartet in Begleitung der Ehefrau vor der Praxis standen, erinnere ich durchaus häufiger.

Freitag, 28. Februar 2020

Ist es wieder soweit?!


Add-on  mit  interaktioneller  Potenz



„Ist es wieder soweit?!“ Diesen oder einen ähnlichen Ausspruch höre ich mit großer Zuverlässigkeit alle fünf Sitzungen von meinen PatientInnen. Ich lächle vielleicht und nicke, während ich versuche, einen entschuldigenden Gesichtsausdruck zu vermeiden. In den anschließenden Äußerungen zeigt sich etwas mehr von meinem Gegenüber: „Schon die 25. Sitzung?!“ vorgebracht in erleichtertem oder ungläubigem Tonfall, manchmal begleitet von erschrocken geöffneten Augen. Eine andere Patientin öffnet verlegen ihre Tasche mit den Worten: „Diesmal verliere ich die Zettel hoffentlich nicht…“, gefolgt von einem seufzenden „Ich weiß nie, was ich da ankreuzen soll.“