Dienstag, 21. April 2020

"...hoffentlich können wir morgen noch reden..."


Zeichnung: Dank an Frederick, 3 Jahre





„Es will uns scheinen,
    als hätte noch niemals ein Ereignis
 so viel kostbares Gemeingut
der Menschheit zerstört,
 so viele der klarsten Intelligenzen verwirrt, 
so gründlich das Hohe erniedrigt.“
 S. Freud, „Zeitgemäßes über Krieg und Tod“ (1915)


Vor ein paar Jahren, als ich die Universität beendete, stellte ich in meiner Diplomarbeit paranoide Wahnvorstellungen als Werkzeuge dar, welche eine psychische Struktur zu stabilisieren versuchen. Eine Struktur, die sich oft aufgrund eines ungewöhnlichen und ausladenden Ereignisses abbaut, zerbricht, oder gar ganz verschwindet. Die Wahnvorstellungen wären in diesen Fällen also so etwas wie Klebstoff,

Samstag, 7. März 2020

Fragen fragen V


Ein Patient aus einer Einzeltherapie steht pünktlich zur 38. Sitzung unerwartet mit seiner Frau vor der Türe und fragt, ob sie heute mal mit ins Gespräch kommen könne. Was würden sie tun?


Zugegeben, bis vor meine Praxistüre brachte ein Patient eine Frau oder Ehefrau selten mit. Die Frage ist erlaubt, warum da eine Leerstelle in meinem sonst guten Gedächtnis ist? Dass Männer an einer Sitzung der Frau teilnehmen möchten, oder hin und wieder unerwartet in Begleitung der Ehefrau vor der Praxis standen, erinnere ich durchaus häufiger.

Mittwoch, 18. Dezember 2019

Zur Vorweihnachtszeit: Ein paar Gedanken zu Symbolen


            René Magritte (1930): "La clef des songes"
            (Der Schlüssel der Träume),  Öl auf Leinwand,
             Bayerische  Staatsgemäldesammlungen



In letzter Zeit beschäftigt mich das Symbol. Vereinfacht gesagt: Eine Sache steht für eine andere. Das kann recht weitreichend sein – im Rittertum beispielsweise das Taschentuch der Angebeteten für die Verbindung zu dieser selbst. Ein Geldschein für eine spezifische Kaufkraft. Ein Zettel mit einer Telefonnummer darauf als Zeichen für eine Eroberung (und damit für die eigene Attraktivität). Das heiß geliebte Backen der Weihnachtsplätzchen kann beispielsweise für die Liebe der Mutter stehen. Oder, um es noch komplizierter zu machen, für die sehnsüchtig erhoffte, aber kaum erhaltene Liebe der Mutter,

Freitag, 20. September 2019

Bisschen Sicherheit



Die ganze Sache mit der Psychoanalyse hatte ja zu FREUDs Zeiten Anfang des 20. Jahrhunderts ziemlichen Erfolg, vor allem in der erlauchten Welt seiner damaligen Patienten, seiner hingebungsvoll forschenden Schüler und seiner oftmals breit gebildeten Kollegen. Dann kam die allgemeine Psychologie auch langsam an die Universitäten als neue Disziplin. In der breiten Öffentlichkeit nach dem zweiten Weltkrieg hatte die psychoanalytische Seelenkunde allerdings einen schwierigen Start.       

Denn es wurden die Phänomene des Unbewussten doch tatsächlich schon in den darauf folgenden fünfziger Jahren mir nichts, dir nichts, in der Werbung eingesetzt.

Mittwoch, 28. August 2019

Neuer Kommentar zur Buchrezension "Ein wenig Leben"


Lieber Leser,

vor einigen Tagen wurde hier im Blog ein ausführlicher Kommentar veröffentlicht als Replik auf Amelie Werners Buchrezension des Romans "Ein wenig Leben" (von H. Yanagihara). Hier ist der link zur Rubrik "Lesenswert"

Therapeutsein zwischen Brandrede und fragilen Theorien

geschrieben von Jan-Erik Grebe, HIP Dozentenkreis und ehem. Jhg. 2010