Samstag, 6. Juni 2020

Martha erfindet eine neue Tresorübung







Der erste Corona-Fall in der Praxis war aufregend und unerwartet. Darüber hinaus bescherte er mir nicht nur erste Erfahrungen in telefonischer Psychotherapie, sondern erweiterte meinen mageren büchergeschulten Blick auf die Kriegsgeneration, der sich meistens auf deren Traumatisierungen und Retraumatisierungsgefährdungen bezieht. Zu oft, wie mich eine Patientin nun gelehrt hat.
Martha* war 79 Jahre alt, als Covid-19 sie erwischte,

Donnerstag, 28. Mai 2020

Zum Glück habe ich noch meine Notizen aus dem Psychologie-Studium







In letzter Zeit frage ich mich, auch durch meine Arbeit in einer Entwöhnungsstation bedingt, mit welcher Motivation kommen eigentlich unsere Patienten?
Auf einer Entwöhnungsstation sollte diese Frage eigentlich nicht existieren: Idealerweise nehmen substanzabhängige Personen, sobald sie Probleme feststellen, zu einer Suchtberatungsstelle Kontakt auf, lassen sich beraten und gewinnen Einsicht darein, dass ihr Konsum ein Problem ist, sprich, dieser reduziert werden oder aufhören soll. Anschließend geht es weiter auf eine Entzugsstation, auf der die Patienten darüber aufgeklärt werden sollen, dass es mit der Abstinenz meist nicht so einfach ist und diese fast immer mehr als drei Wochen qualifizierten Entzug benötigt. Hier sollte Ihnen vermittelt werden, dass man anschließend noch eine Selbsthilfegruppe besuchen oder, wenn die berufliche Leistungsfähigkeit eingeschränkt ist bzw. die Sucht mehrere Lebensbereiche umfasst, vorher noch eine Entwöhnung stattfinden sollte. Im Idealfall kommen in eine Entwöhnungsbehandlung also Patienten, die selbstständig abstinent sein wollen, aufgeklärt sind und ihre Leben verändern möchten. 
Wie man aber schon beim Überfliegen merkt, stehen im Text ganz schön viele „sollte“, woran deutlich wird, dass die Realität dem Ideal nicht gerecht wird.

Samstag, 9. Mai 2020

Schreiben gegen das Vergessen



Liebe Leserin, lieber, Leser, im Blog gibt es eine neue literarische Anregung, diesmal eine sehr persönliche Betrachtung im Zusammenhang mit Isabel Allendes Lebensroman "Paula", geschrieben von Dr. Renate Kremer, Heidelberg.
Hier ist der link zu unserer Seite "Lesenswert!"

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Montag, 4. Mai 2020

Begegnungen in Zeiten mit Covid 19







Die Fülle an Begegnungen, mit der Natur, mit Menschen, wollte heute kein Ende nehmen. "Protect me from what I want"* - das hatte ich heute Morgen in Werner Balzers herausforderndem Buch "Das Sensorische und die Gewalt: Zum Seelenleben im digitalen Zeitalter" gelesen... Ja, und gleich Wikipedia gedrückt... Jenny Holzer... nie vorher gehört, nie etwas von ihr gesehen, gelesen...

Dienstag, 21. April 2020

"...hoffentlich können wir morgen noch reden..."


Zeichnung: Dank an Frederick, 3 Jahre





„Es will uns scheinen,
    als hätte noch niemals ein Ereignis
 so viel kostbares Gemeingut
der Menschheit zerstört,
 so viele der klarsten Intelligenzen verwirrt, 
so gründlich das Hohe erniedrigt.“
 S. Freud, „Zeitgemäßes über Krieg und Tod“ (1915)


Vor ein paar Jahren, als ich die Universität beendete, stellte ich in meiner Diplomarbeit paranoide Wahnvorstellungen als Werkzeuge dar, welche eine psychische Struktur zu stabilisieren versuchen. Eine Struktur, die sich oft aufgrund eines ungewöhnlichen und ausladenden Ereignisses abbaut, zerbricht, oder gar ganz verschwindet. Die Wahnvorstellungen wären in diesen Fällen also so etwas wie Klebstoff,